Am 28.05.2026 hielt Prof. Neha Jain im Rahmen der GILDS-Diskussionsreihe einen Vortrag zum Thema „The Market Metaphor in Refugee Law and Policy“. Prof. Jain analysierte in diesem Zusammenhang einen im Entstehen begriffenen Trend in der internationalen Flüchtlingspolitik, den sie als „Marketization“ bezeichnet, dessen theoretische Wurzeln jedoch bis in die 1990er zurückreichen.
Darunter sei die zunehmende Anwendung von Marktlogiken auf das Asylrecht zu verstehen, wie Prof. Jain eindrucksvoll anhand von verschiedenen Beispielen, wie etwa dem umstrittenen Asylabkommen zwischen Albanien und Italien, dem geplatzten Großbritannien-Ruanda-Deal oder den US-Abschiebeabkommen mit verschiedenen Drittstaaten, demonstriert.
Vor allem Staaten im globalen Norden würden ihre Verantwortung für den Flüchtlingsschutz an Staaten im globalen Süden auslagern und diese im Gegenzug mit etwa finanziellen Mitteln, Entwicklungshilfe oder politischer Unterstützung entlohnen. Dadurch, sowie durch die bewusste Schaffung rechtlich abstruser Grauzonen durch die Schließung solcher Abkommen auf der Basis von etwa unverbindlichen Absichtserklärungen um sich der gerichtlichen Kontrolle zu entziehen, würden Prof. Jain zufolge auch koloniale Denkmuster und Machtverhältnisse reflektiert und reproduziert werden.
Als weiteres Problem der Anwendung einer solchen Marktlogik auf das Asylrecht identifiziert Prof. Jain zudem die dadurch geförderte systematische Degradierung von Schutzsuchenden als mit negativem Wert behaftete handelbare „Ware“, welche zudem mit selektiver Anwendung gegenüber verschiedenen ethnischen Gruppen von Flüchtlingen gekoppelt sei.
Abschließend zeigte Prof. Jain jedoch anhand mehrerer Beispiele auf, dass rechtliche und zivilgesellschaftliche Gegenwehr erfolgreich sein kann und vor allem die Berufung auf Normen des internationalen Flüchtlings- und Menschenrechtsrechts eine effektive Strategie zur Bekämpfung von „Flüchtlingsmärkten“ darstellen könnte.
Anschließend an diesen Vortrag bot sich noch genügend Zeit für eine stimulierende Diskussionsrunde, in welcher die Teilnehmer:innen die Gelegenheit nutzten, tiefer in die komplexen ethischen und rechtlichen Fragestellungen der Asylpolitik einzutauchen.
Das Institut für Völkerrecht und Internationale Beziehungen der Universität Graz bedankt sich bei Prof. Neha Jain für den aufschlussreichen Vortrag im Rahmen der GILDS-Veranstaltungsreihe. Weiterer Dank gilt allen Teilnehmer:innen für die lebhafte Diskussion.