Dr. Christiane Ahlborn, Assistenzprofessorin für Völkerrecht an der Universität Graz, nahm als Panelistin an der Summer School des Centres for Justice and Law Reform der Law Society of Ireland am 9. und 10. Juli in Dublin teil. Die zweitägige Summer School brachte führende Vertreter aus Politik, Diplomatie, Wissenschaft und Rechtspraxis zusammen, um unter dem Titel „Rules-Based International Order in an Age of Disruption: Is International Law Dead?“ über die Zukunft der regelbasierten internationalen Ordnung zu diskutieren.
Dr. Ahlborn nahm am Eröffnungspanel „Taking the Pulse of the Rules-Based International Order“ gemeinsam mit Stephen Pomper, Chief of Policy der International Crisis Group, und Professor Federico Fabbrini, Professor of Law an der Dublin City University (DCU), teil. Moderiert wurde die Diskussion von Pat Leahy, Political Editor der Irish Times. In ihrem Beitrag argumentierte Dr. Ahlborn, dass Berichte über den Niedergang des Völkerrechts deutlich übertrieben seien. Die gegenwärtigen Herausforderungen bedeuteten nicht den Zusammenbruch der internationalen Rechtsordnung, sondern seien Ausdruck eines tiefgreifenden geopolitischen Wandels, in dessen Verlauf sich das Völkerrecht an eine zunehmend multipolare Welt anpasse. Dabei hob sie die anhaltende Bedeutung internationaler Institutionen, völkerrechtlicher Verträge und internationaler Gerichte hervor und betonte, dass sich die eigentliche Frage nicht auf das Ende des Völkerrechts richte, sondern darauf, welche Form die internationale Rechtsordnung nach dieser Phase des Wandels annehmen werde.
Zu den renommierten Vortragenden der Summer School zählten unter anderem Rose Gottemoeller, ehemalige Stellvertretende Generalsekretärin der NATO, Dr. Dmytro Kuleba, ehemaliger Außenminister der Ukraine, Avril Haines, ehemalige Direktorin der US-amerikanischen Nachrichtendienste und frühere stellvertretende Direktorin der CIA, sowie Leo Varadkar, ehemaliger Taoiseach (Premierminister) Irlands. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen zentrale Herausforderungen für die internationale Ordnung, darunter kollektive Sicherheit, strategische Rivalität und die zunehmende Bedeutung geoökonomischer Instrumente in einer sich wandelnden geopolitischen Landschaft.
Die Summer School verdeutlichte die Bedeutung eines engen Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis, indem sie Forschende mit politischen Entscheidungsträger, Diplomat, Jurist und weiteren Expert zusammenbrachte. Zugleich machte sie deutlich, wie eng internationales und nationales Recht bei der Bewältigung aktueller geopolitischer Herausforderungen miteinander verflochten sind, und bot ein wertvolles Forum für den Austausch über disziplinäre und berufliche Grenzen hinweg.